Vertiefte Berufsorientierung: Ein guter Plan für die Zukunft

Was sind deine Stärken? Da müssen einige Jugendliche nicht lange überlegen – im negativen Sinne. „Ich kann nichts“, sagt ein Mädchen.

Ein Junge antwortet: „Ich gucke den ganzen Tag nur Fernsehen.“ Doch die Lehrende hakt nach: „Was machst du, wenn der Fernseher kaputtgeht?“ Der Junge erzählt, wer das Gerät reparieren könnte. „Da ist schon deine erste Stärke: Du hast eine Lösungsstrategie.“

Mayra Brenner und Alina Paul koordinieren das Projekt und berichten hier über ihre Arbeit und Erfahrungen.

Motivieren und das Selbstbewusstsein stärken; einen Überblick geben, welche Berufe zu den eigenen Stärken passen: Das sind wichtige Aspekte bei der „Vertieften Berufsorientierung“.

Im Juli ist das Projekt der Volkshochschule gestartet, im Auftrag der Stadt Wolfsburg, Geschäftsbereich Schule, und der Bundesagentur für Arbeit.

Der Hintergrund: Eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung (2022) zur Berufswahl zeigt deutlich: Mehr als 50 Prozent der jungen Menschen sind „mit dem Informationsangebot überfordert“. Sie finden sich nicht auf dem Ausbildungs- und Berufsmarkt zurecht. Rund ein Viertel der befragten Jugendlichen hat gar kein oder wenig Interesse, sich mit Berufsorientierung auseinanderzusetzen. Deshalb hat das Thema an Schulen deutlich an Bedeutung gewonnen.


„Unser Projekt Vertiefte Berufsorientierung stellt jungen Menschen in der Schule Angebote und Informationen rund um die Ausbildungs- und Berufswelt zur Verfügung. Die Inhalte dienen als Hilfe zur Selbsthilfe und geben positive sowie notwendige Anreize, sich selbst und die eigenen Stärken zu reflektieren. Des Weiteren erhalten Schüler*innen einen Überblick über die Berufswelt. “

Alina Paul und Mayra Brenner, Projektkoordination

Die „Vertiefte Berufsorientierung“ unterstützt dabei mit sechs individuell wählbaren Modulen.  „Wir kooperieren mit vielfältigen Arbeitgebern, etwa mit Banken und Lebensmittelmärkten, der Polizei und Bundeswehr, mit Handwerksbetrieben, einer Spedition oder Pflege- und Gesundheitsberufen. Mitarbeiter*innen stellen in den Schulen unterhaltsam ihre Arbeit vor, oft verbunden mit Filmen oder einem Quiz.

Anschließend kann bei Erkundungstagen Praxiserfahrung gesammelt werden“, erzählen die Projektkoordinatorinnen Mayra Brenner und Alina Paul.

Dabei werden auch Schlüsselqualifikationen geschult wie Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit. Über die Erfahrungen und Eindrücke wird dann gemeinsam erzählt: Wie war’s? Was habt ihr gemacht? Was war neu?  

Im Modul „Berufswahl und Selbstmarketing“ derweil stehen neben digitalen Kompetenzen und der Bewältigung von Rückschlägen Umgangs- und Kommunikationsformen im Mittelpunkt.

In praktischen Übungen werden zum Beispiel Bewerbungsgespräche trainiert. Weitere Module widmen sich MINT-Ausbildungen sowie Studium und Beruf.

Informiert und gecoacht wird durch Fachprofis: vom Rhetorikexperten bis zur Achtsamkeitstrainerin, von der Dozentin für Personalführung bis zum Lebenscoach.

Erziehungswissenschaftlerin Mayra Brenner und Soziologin Alina Paul vernetzen die Akteur*innen. Sie planen, künftig auch Eltern in Themen einzubeziehen.
„In sieben Schulen haben wir bereits Module angeboten. Bereits im ersten Schulhalbjahr 2023/24 erreichen wir rund 900 Schüler*innen“, berichtet VHS-Leiterin Silja Kirsch-Bronzlik. Am Ende der Schulzeit sollen sie alle dann in der Lage sein, ihre Kompetenzen und Potenziale in Bezug zu setzen zu den realen Anforderungen der Arbeitswelt.


Zu sehen, wie jemand aufblüht und sich öffnet; wie er sich Gedanken über seine Zukunft macht, Freude an einer Tätigkeit findet und sieht, was er bewirken kann – das gehört zu den schönsten Erlebnissen des Projektes. „Gerade sagte wieder eine Jugendliche: Ich freue mich, dass sich ein Betrieb für mich interessiert“, erzählen die Koordinatorinnen. „Das sind bewegende Momente.“