Interview mit Nicole Kannewurf – Wie Coaching die Unternehmenskultur positiv verändert
Kursgeschichte Nicole Kannewurf
Foto: Ansgar Wilkendorf
Wenn Nicole Kannewurf heute Führungskräfte coacht oder Jugendliche bei der Berufsorientierung begleitet, geht es oft um dieselbe Frage: Wie können Menschen ihre Stärken erkennen und erfolgreich einsetzen? Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit Personalentwicklung, Führung und beruflicher Bildung. Ihre Verbindung zur Volkshochschule Wolfsburg begann bereits 2006 – mit einem Bewerbungsgespräch in der Volkshochschule. In 2006 hieß die Volkshochschule noch Bildungszentrum Wolfsburg. Eine Zusage für die Stelle der Projektmanagerin bekam sie. „Kurz bevor mir der Vertrag zugeschickt wurde, stellte ich fest, dass ich schwanger bin“, erinnert sie sich. „Ich bot an, nicht zu unterschreiben. Aber Werner Schmidt, der damalige Geschäftsführer, sagte: ‚Das machen wir trotzdem.‘ Das fand ich grandios.“
So kann die gebürtige Kölnerin nun auf den erfolgreichen Aufbau einer Personalvermittlung zurückschauen. Unter dem Namen „Kompetenz im Mittelstand“ stellte sie zudem ein vielfältiges Angebot für die berufliche Bildung in Unternehmen zusammen: mit Weiterbildungen in Fremdsprachen sowie IT-, Management-, Organisations- und Vertriebskompetenz. Der Standort war damals noch die heutige Neue Schule. „Innovativ waren unsere grünen Klassenzimmer. Im Sommer haben wir, wenn es passte, draußen unterrichtet.“
Seit 2011 bietet die 51-Jährige nun Seminare als freiberufliche Trainerin an. Sie stärkt Führungskompetenzen, bereitet auf Führungsaufgaben vor und unterstützt dabei, Teams zu entwickeln und neue Methoden umzusetzen. Ein Schwerpunkt ist dabei die Begleitung von Frauen in Führungspositionen. „Die Machtspielchen vieler Männer, die unterschiedliche Art der Kommunikation: Das sind wichtige Themen. Oft müssen Frauen erst lernen, sichtbar zu sein, sich durchzusetzen, zu netzwerken und sich selbst zu vermarkten. Optimal ist, dabei seine eigene authentische Art des Führens zu finden.“
Was kann der Auslöser für so ein Coaching sein? „Jemand hat zum Beispiel den Eindruck, er wird in Besprechungen nicht ernst genommen. Oder jemand bereitet sich darauf vor, den Vater im Familienunternehmen abzulösen. Es kommt auch vor, dass man gerufen wird, weil jemand in einer Besprechung geweint hat.“ Ihre „Wunderfrage“ zu Beginn ist immer: Wenn im Coaching alles perfekt läuft – was wäre dann anders? „Dann werden einem erst viele Aspekte bewusst, und man kommt in die Emotion.“
Über viele Jahre bereitete Nicole Kannewurf zudem auf Assessment-Center vor. „Besonders herausfordernd war für viele das Kritikgespräch, ein Rollenspiel. In nur 15 Minuten musste mit einem Mitarbeiter Fehlverhalten besprochen werden – inklusive einer Perspektive, wie es in Zukunft vermieden wird. Wir haben beharrlich trainiert, ruhig und positiv zu bleiben, Vertrauen aufzubauen und auf versuchte Ablenkungen zu reagieren.“
Eine weitere Aufgabe ist seit 2024 die vertiefte Berufsorientierung an Wolfsburger Schulen – mit dem Ziel, jungen Menschen einen Überblick zu geben, welche Berufe zu den eigenen Stärken passen. Vielfältige Unternehmen stellen ihre Arbeit vor. Anschließend sammeln die Schüler*innen Praxiserfahrung. Nicole Kannewurf bereitet in diesem Rahmen auf Bewerbungsgespräche vor, motiviert und ist zuständig für die Potenzialanalysen. „Dabei bringen wir zum Beispiel Gymnasiasten auch das Handwerk nahe. Nicht selten haben Firmenchefs Probleme mit der Übergabe an die nächste Generation. Das ist eine Chance.“ Einmal wurde auch eine Schulbegleiterin spontan in die Präsentation mit eingebunden. Sie erzählte, dass sie Friseurin gelernt hat – obwohl alle in der Familie bei VW arbeiten. „Das wurde nicht wertgeschätzt, aber sie resümierte: Ich kam immer erfüllt und gutgelaunt nach Hause.“ In die Schulen bringt Nicole Kannewurf stets einen Stoff-Pinguin mit – passend zu der Geschichte, dass ein Pinguin an Land nicht der Agilste ist, aber im Wasser voll in seinem Element. Fazit: „Mach kleine Schritte und finde dein Wasser. Und dann spring.“
Sich beruflich weiterzubilden und lebenslang zu lernen: Das ist natürlich auch für sie selbst wichtig. „Damit ein Unternehmen am Markt besteht, muss es in der heutigen schnelllebigen, komplexen Welt anders geführt werden als früher. Es muss auch mit KI gearbeitet werden.“ So begleitet sie nach einer Ausbildung zur Ko:nectorin nun zum Beispiel auch KMUs bei der digitalen und strukturellen Transformation.
Coaching, das ist ein erfüllender Beruf, oder? Sie nickt: „Durch die Art, wie man führt, kann man die Unternehmenskultur positiv beeinflussen. Zu sehen, dass das Coaching wirkt – dass sich etwas zum Positiven verändert: Das ist der Hauptgrund, warum ich meinen Job liebe.“