Kursgeschichte Jürgen Koch

Foto: Ansgar Wilkendorf

Beim Amateurfunk hat Jürgen Koch – wie alle – ein weltweit einmaliges Rufzeichen: DO1JKO. „DO steht für Deutschland. Um sich die Länderkennungen zu merken, gibt es viele Eselsbrücken“, erzählt der ehemalige technische Sachbearbeiter bei VW. HB9 für die Schweiz etwa: Das merkt man sich durch hohe Berge, VE für Kanada durch viele Elche. Seit er nach der Vorbereitung an der VHS die Prüfung der Klasse E bestanden hat, kann der 58-Jährige nun im UKW-Bereich und auf einigen Kurzwellenbändern funken. Und er kann eigene Funkanlagen und Antennen bauen. Vier Antennen aus Eigenproduktion hat er seit 2018 bereits ausprobiert. Wie weit kommt man damit? Das ist ein Reiz des Hobbys. „Sitzt man zu Hause mit dem Funkgerät im Garten und hat plötzlich Kontakt mit den Falklandinseln, rund 14.000 Kilometer entfernt, dann sind die Jubelschreie groß“, berichtet er. Inzwischen meldete sich auch schon ein Bewohner des Inselstaats Nauru im Pazifischen Ozean.

CQ (für allgemeiner Anruf), kombiniert mit dem eigenen Rufzeichen: So nimmt man Kontakt auf. Antwortet jemand, nennt man das Rufzeichen der Gegenstation sowie sein eigenes. Was erzählt man dann? „Manche sind nur auf Masse aus. Dann erkundigen wir uns nach der Signalqualität und schicken bei Interesse eine QSL-Karte, eine Bestätigung mit einem Foto. Mit anderen plaudert man. Ich hatte zum Beispiel mal Kontakt mit einem Deutschen in Südafrika und einem Wolfsburger in Uruguay. Mit einem Schweden unterhielt ich mich über Eishockey. Oft gibt es auch technischen Austausch.“     

Den Umgang mit Handfunkgeräten kannte Jürgen Koch bereits aus seinem Ehrenamt. Er ist Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Fallersleben und stadtweit Lehrgangsleiter für die modulare Grundlagenausbildung. 2017 arbeitete er in einem Stab für Großschadenslagen mit: für Katastrophen, Unwetter sowie Wasser- und Sturmschäden. „Ich war für die interne Information und Kommunikation zuständig, inklusive der Infrastruktur für die Funkverbindungen“, erzählt er. „Die Wolfsburger Funkamateure führten zu dieser Zeit eine Notfunkübung im Wasserturm am Fallersleber Schützenplatz durch. Unsere Einheit wurde dazu eingeladen. Simuliert wurde ein Stromausfall. In so einem Fall – wenn die Kommunikation nicht mehr funktioniert – sind die Funkamateure verpflichtet zu unterstützen.“ Das war für ihn und zwei weitere Feuerwehrleute die Initialzündung, den Einstiegskurs an der VHS zu belegen.

Dort lernten sie eine ganz andere Funkwelt kennen – fachlich noch anspruchsvoller. Drei Teilgebiete wurden vertieft: Elektro- und Funktechnik, Gesetzeskunde sowie der Funkbetrieb. In der Prüfung bei der Bundesnetzagentur galt es dann, 34 Fragen aus jedem Bereich zu beantworten. Mindestens 75 Prozent der Antworten mussten richtig sein. „Eine Prüfung bei einer Bundesoberbehörde, das war schon herausfordernd.“ Aber Kursleiter Christian Hillmer hatte Begeisterung für das Hobby geweckt – und das Wissen praxisnah vermittelt, mit Erfahrungsberichten, Experimenten und Filmen. Seit Mitte 2024 gibt es nun eine neue Einsteigerklasse: die Klasse N mit reduzierten Anforderungen. In der Klasse A schließlich, der höchsten, kann man zusätzliche Kurzwellenbänder nutzen – und es steigt die Zahl der Länder, in denen man funken darf, sogar ohne Anmeldung.   

„Beim Amateurfunk gibt es keine Grenzen“, so Jürgen Koch. Im Herbst 2025 nahm der Deutsche Amateur-Radio-Club zum Beispiel in Kooperation mit dem Planetarium Kontakt zur Neumayer Station III in der Antarktis auf. Eine Stunde lang beantwortete das Team Fragen rund um die Forschung, das Leben im Eis und über die Raumfahrt. Jürgen Koch ist inzwischen Ortsverbandsvorsitzender des Vereins mit rund 110 Mitgliedern in Wolfsburg.

Brücken bauen: Das verbindet er mit dem Hobby. „Völkerverständigung ist eines der höchsten Ziele.“ Gut dazu passte ein weiteres Angebot der VHS: der Workshop „Interkulturell fit im Ehrenamt“. Dort wurde in internationaler Runde vermittelt, wie Kultur das Verhalten von Menschen beeinflussen kann. „Die Übungen, Rollenspiele und Gespräche haben mich weiter bestärkt, nicht vorschnell zu werten“, resümiert Jürgen Koch. „Fragt man nach, erfährt man oft Überraschendes. Kulturelle Unterschiede zu kennen, kann auch bei der Feuerwehr wichtig sein. Ich finde es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Sehr schön, dass die VHS solche Kurse bietet, die Verständnis und Interesse füreinander wecken.“

sonbahissonbahis girişsonbahissonbahis girişsonbahissonbahis girişsonbahissonbahis girişsohbet hattısex hattı